Ich habe einen Regenbogen-Tag gefunden!

In allen Kulturen gibt es wunderschöne Geschichten über den Regenbogen. Nach einer  chinesischen Sage ist der Regenbogen ein Riss im Himmel, der von einer Göttin mit farbigen Steinen versiegelt wurde. Einer irischen Sage nach kann man am Ende des Regenbogens einen Topf mit Gold finden. Wenn man das Töpfchen finden will, muss man allerdings zunächst wissen, wie man überhaupt zum Ende des Regenbogens kommt...

Ganz selten habe ich bisher das Glück gehabt, einen vollständigen Regenbogen zu sehen, aber an diesem Tag habe ich sogar doppeltes Glück. Nicht nur, dass ich dieses wunderbare Naturphänomen zweimal an einem Tag bestaunen darf, es ist so unfassbar schön, dass dieser Regenbogen von einem zweiten Regenbogen begleitet wird und dieser als Doppelregenbogen am Himmel in klaren und wunderbaren Farben auftaucht. 

An dem Morgen regnet es, aber wie immer geht es morgens mit den Hunden zum Strand. Immer, wenn ich auf Texel bin, zieht es mich direkt an den Strand. So sehr liebe ich diesen Morgenspaziergang am Meer, das Rauschen der Wellen, die salzige Luft, diese Weite. Unendlich das Meer, unendlich weit, unendliche Mengen Sand. Ich genieße es, mir den Wind um die Nase pfeifen zu lassen. Immer wieder hat das Meer und der Strand diese beruhigende Wirkung auf mich, den Alltag vergessen, entspannen, fast ein Zustand wie in Trance...Obwohl es jeden Morgen derselbe Strand ist, so präsentiert er sich doch immer anders und das liebe ich so.

Mit Regenjacke und Gummistiefel geht es frohen Mutes los....

Die Hunde genießen es, ohne Leine am Strand herumzutoben.

Als die Sonne dann trotz des Regens plötzlich durch die dichte Wolkendecke blinzelt, entsteht zunächst nur ein ganz zarter Hauch eines Regenbogens am Himmel, unvollständig und nur schemenhaft, die Farben blass und fast unscheinbar.

Mystische Stimmung am Strand, man will den Atem anhalten, als der Bogen plötzlich immer runder wird, bis er sich schließlich zum Rundbogen formt und die Farben ganz klar werden..

Es bedarf nicht vieler Worte, um dieses unglaubliche Naturspektakel zu beschreiben..

Sogar die Hunde scheinen beeindruckt....

Ein Wechselspiel aus Sonne und Regen an diesem Tag. Am Nachmittag habe ich eine längere Wanderung mit dem Tochterkind geplant. Wir wollen von Paal 9 nach links das Gebiet von De Hors erkunden, das an der Südspitze von Texel liegt. Da sich unser Urlaub leider dem Ende neigt und dies unser letzter Urlaubstag ist, gehen wir also wieder in strömendem Regen los. Zuerst ist es mir vor lauter Regen gar nicht möglich, Fotos zu machen. Wir stapfen recht schweigsam am Strand entlang, ausser uns ist niemand unterwegs. Luna macht das Wetter gar nichts aus. Unverdrossen rast sie am Strand hin und her, jagt die Möwen, die davon allerdings sehr unbeeindruckt sind und sich direkt wieder einige Meter entfernt am Rande der Dünen niederlassen. Immer wieder stürzt sie sich freudig in Meer und über die Wellen und läßt sich wie ein Surfbrett zurück an den Strand treiben. Als wir in das weitläufige Gebiet De Hors gelangen, kommt erneut die Sonne hervor, obwohl es noch leicht nieselt. 

Die Sonne wärmt direkt, obwohl es schon Ende Oktober ist und ich bin froh, dass meine Hose und meine Jacke etwas antrocknen und ich das Gefühl eines begossenen Pudels etwas los werde. Tochterkind stapft ebenfalls klitschnass aber bester Dinge neben mir her. Man hat das Gefühl, man läuft durch eine Wüstenlandschaft. Die Strandfläche ist hier ganz besonders breit und man läuft doch einfach mittendurch. Hier sind in den letzten ca. 80 Jahren durch den Abtransport von Sand und auch durch Wind und See eine Reihe von neuen natürlichen Dünen entstanden. Es ist ganz still und man hört nur ab und zu das Geschrei der Möwen. Durch die Ruhe und die Weite verspürt man ein richtig wohliges Glücksgefühl.

Vom Strand wandern wir über einige Dünenreihen bis in das Gebiet De Geul, ein Tal, in dem auch die größte Löfflerkolonie von Texel brütet. Von einer Aussichtsplattform hat man einen tollen Blick auf die Vogelwelt und zur Brutzeit auch auf die brütenden Löffler.

Inzwischen hat es wieder angefangen zu regnen, obwohl die Sonne immer immer durch die Wolken scheint. Tatsächlich bildet sich an diesem Nachmittag erneut ein doppelter Regenbogen in wunderschönen Farben, ganz klar und rund. So schön, wie er die Kirche von Den Hoorn, die Witte Kerk, unter sich schützend einschließt...

Wir können uns gar nicht satt sehen und sind völlig überwältigt, bevor der bunte Regenbogen schließlich einfach am Himmel verblasst und verschwindet, als wäre er nie da und alles eine schöne Illusion gewesen....

Fast andächtig marschieren wir durch die Naturlandschaft Bollekamer zurück. In den breiten Tälern wächst viel Heidekraut, was besonders im Juli / August in wunderschönem Lila erstrahlt. Hier trifft man auch manchmal auf die Exmoor-Ponys und die Schottischen Hochlandrinder, die hier grasen. Heute treffen wir weder auf Wildpferde noch auf Rinder.

Unsere herrliche Wanderung mit vielen unvergesslichen Eindrücken kommt zum Ende, als wir über  unseren Wanderweg schließlich nach ca. 3 Stunden wieder den Parkplatz von Paal 9 erreichen.

Wir sind zwar immer noch nass, aber glücklich, dass wir dieses fantastische Schauspiel der Natur erleben durften. Diese Momente des Glücks sind Erinnerungen, die wir immer in uns tragen werden.

Das Ende des Regenbogens habe ich zwar nicht gefunden, aber wer seine Träume gefunden hat, ist angekommen... 

Die Natur hält solch fantastische Wunder für uns bereit...Es sind die großen kleine Dinge, die unser Leben so wertvoll machen...

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Kommentare: 5
  • #1

    Ralf Krauß (Montag, 12 November 2018 07:10)

    Sehr schön geschrieben, auch die Bilder, wunderschön. Ja, das war ein beeindruckendes Erlebnis. Dieser Regenbogen, morgens am Strand, war mein erster Regenbogen, den ich in vollständiger Form jemals gesehen habe und, als ihr nachmittags zurück kamt und von einem weiteren Naturereignis Regenbogen erzählt habt, waren wir alle sehr überwältigt.

  • #2

    Michael Surma (Montag, 12 November 2018 07:43)

    Liebe Annette, einen wunderschönen Beitrag mit tollen Bildern eingrahmt.....Klasse, mach weiter so !
    Wie schön doch die Natur ist, du hast eine Auge dafür.

  • #3

    Astrid (Montag, 12 November 2018 07:57)

    Wunderschön geschrieben mit traumhaften Fotos wäre gern dabei gewesen! ❤️�

  • #4

    Pe Tra (Montag, 12 November 2018 08:39)

    Hallo Annette,
    so schön geschrieben, es kommt mir vor, als ob ich dabei gewesen wäre. An deinen Fotos kann ich mich gar nicht satt sehen, so wunderbar sind die. Unser nächster Texel Urlaub ist nur noch 3,5 Monate entfernt und ich habe wieder etwas entdeckt, wo ich hin möchte.
    Das Natur und Beeldentuin bei De Koog.
    LG Petra

  • #5

    manfred müller-knappheide (Donnerstag, 16 Mai 2019 07:35)

    den vorhergehenden kommentaren ist mal wieder nichts hinzuzufügen❣️...